Es ist so schwer oft, zu entscheiden, ob dumm, ob weise, wer bescheiden.
Die Ruhmlosen haben gewiß recht, wenn sie von Bescheidenheit predigen. Es wird ihnen so leicht, diese Tugend auszuüben.
Leicht ist's, törichtes Lob zu verschmähn. Erst wer den gerechten Tadel zu ehren versteht, wird als bescheiden gerühmt.
Willst die Bescheidenheit du des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, ob er den Tadel erträgt.
Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, für die der Mensch bewundert wird, falls die Leute je von ihm hören sollten.
Es muß einen wundernehmen, daß fast allen Männern von großer Tüchtigkeit einfache Sitten eigen sind und daß fast immer einfache Sitten als Zeichen von geringer Tüchtigkeit gelten.
Unbescheiden heißt auch unverständig sein.
Bescheidenheit ist der Zaun der Weisheit.
Bescheidenheit, die liebenswürdigste Tochter der Selbstkenntnis und durchaus verschieden von der Kuttentugend Demut, haschet nicht nach Auszeichnungen, drängt sich nicht zu, und werden sie ihr, so nimmt sie solche mit Dank an, ohne sich zu erheben.
Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, welche die Frauen an einem Liebhaber mehr loben als lieben.
Vom Verdienste fordert man Bescheidenheit aber diejenigen, die unbescheiden das Verdienst schmälern, werden mit Behagen angehört.
Wohl aber ist die Tugend der Bescheidenheit eine erkleckliche Empfindung für die Lumpe, da ihr gemäß jeder von sich zu reden hat, als wäre er auch ein solcher, welches herrlich nivelliert, indem es dann so herauskommt, als gäbe es überhaupt nichts als Lumpe.
Nur die Lumpe sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat.
Die Bescheidenheit ist nichts anderes als Faulheit, Mattigkeit und Mangel an Mut, so daß man mit Recht sagen kann, daß die Bescheidenheit für die Seele eine Erniedrigung ist.
Es gibt eine Bescheidenheit, die nur der Mantel des Hochmuts ist.
Daß einer ein großer Geist sein könne, ohne etwas davon zu merken, ist eine Absurdität, welche nur trostlose Unfähigkeit sich einreden kann, damit sie das Gefühl der eigenen Nichtigkeit auch für Bescheidenheit halten könnte.
Bescheidenheit bei mittelmäßigen Fähigkeiten ist bloße Ehrlichkeit. Bei großen Talenten ist sie Heuchelei.
Die Bescheidenheit müßte die Tugend derer sein, denen die andern fehlen.
Die Menschen haben viele absonderliche Tugenden erfunden, aber die absonderlichste von allen ist die Bescheidenheit. Das Nichts glaubt dadurch etwas zu werden, daß es bekennt: Ich bin nichts!
Unter allen Dingen ist menschliche Bescheidenheit am leichtesten totgeräuchert und totgeschwefelt, und manches Lob ist so schädlich wie eine Verleumdung.
Die Bescheidenheit glücklicher Menschen kommt von der Ruhe, welche das Glück ihren Gemütern verleiht.
Ein Unverschämter kann bescheiden aussehen, wenn er will, aber kein Bescheidener unverschämt.
Falsche Bescheidenheit ist die schicklichste aller Lügen.
Man hat aus der Bescheidenheit eine Tugend gemacht, um den Ehrgeiz großer Männer einzuschränken und um die Mittelmäßigkeit über ihr geringes Glück und ihr geringes Verdienst zu trösten.
Die Bescheidenheit ist für das Verdienst, was die Schatten bei den Gestalten eines Gemäldes: Sie geben ihnen Kraft und Relief.
Stets war's ein Merkmal der Vortrefflichkeit, durch Larve die Vollendung zu entstellen. (Don Pedro)
So strebt die Weisheit nur nach hellstem Glanz, setzt sie sich selbst herab: Wie schwarze Masken verdeckte Schönheit zehnmal mehr erheben als Reiz, zur Schau getragen. (Angelo)