1983 - Zugänge zum BTX

Um ins BTX zu gelangen, konnte man einen Softwaredecoder nutzen. Softwaredecoder für Bildschirmtext (BTX) gab es damals vorwiegend für IBM-kompatible Personal Computer (PCs) unter DOS und Windows sowie für Heimcomputer wie den Commodore C64 und C128.

IBM-kompatible PCs (MS-DOS / Windows)

Standard-PCs: Mit der Lockerung der Post-Vorschriften und der Einführung einer offiziellen Softwarekennung konnten normale PCs mit einem Modem und einem Softwaredecoder als BTX-Terminal genutzt werden.

Bekannte Decoder: Bekannte Programme waren zum Beispiel Amaris, der WOERLEIN BTX-Decoder (für DOS), Btxdisc von Systec oder Software für frühe Windows-Versionen wie Windows 3.11.

Commodore Heimcomputer (C64 / C128)

Commodore 64 & C128: Auch für diese Heimcomputer gab es entsprechende Lösungen, um über den Expansionport oder serielle Schnittstellen und ein BTX-Modem (wie das DBT-03) Daten darzustellen.

Bekannte Software Decoder

Der 64’er BTX-Manager vom Markt & Technik Verlag war ein bekannter Software-Decoder inklusive Adapterkabel für den C64/C128. Da die Computer die volle BTX-Auflösung nicht fehlerfrei erreichten, gab es bei der Darstellung jedoch Abstriche im Vergleich zu teurer Hardware.

Zeitliche Entwicklung

Die ersten reinen Software-Lösungen entstanden Mitte der 1980er-Jahre (ca. 1985/1986). Ein Pionier war das Berliner Unternehmen AVM, das im August 1985 einen der ersten Software-Decoder zur offiziellen Post-Zulassungsprüfung anmeldete. Gleichzeitig brachten Computermagazine wie die 64’er erste Eigenbau-Projekte für Bastler heraus.

Der große Durchbruch folgte ab 1988/1989, als die Deutsche Bundespost die strengen Vorschriften lockerte und der PC-Boom einsetzte. Als BTX Anfang der 1990er-Jahre in Datex-J umbenannt wurde, gehörten Softwaredecoder bereits zum absoluten Standard auf PCs.

Multitel-Geräte der Post

Ja, das Multitel ist ein absoluter Klassiker der deutschen Telekommunikationsgeschichte! Es war kein normaler Computer, sondern ein spezielles Kompaktterminal der Deutschen Bundespost, das eigens für die Nutzung von Bildschirmtext (BTX) und das Telefonieren entwickelt wurde.

Die Bundespost führte das Gerät 1987 ein, um BTX auch für Privathaushalte und kleinere Büros attraktiver zu machen, da normale PCs damals noch extrem teuer waren.

Merkmale der Multitel-Geräte

All-in-One-Gerät: Es vereinte ein normales Telefon (mit Hörer), einen kleinen integrierten Bildschirm und ein eingebautes BTX-Modem in einem einzigen Gehäuse.

Die Tastatur: Unter dem Gerät war eine flache, ausziehbare Tastatur (oft eine Gummi-Matte) versteckt, mit der man die BTX-Seiten steuern und Nachrichten (wie den Vorläufer der E-Mail) tippen konnte.

Der Bildschirm: Das Multitel 1 hatte einen kleinen Neun-Zoll-Schwarz-Weiß-Bildschirm, der die BTX-Grafiken in Graustufen darstellte. Spätere Versionen wie das Multitel 2 (auch als Multitel-Farbe bekannt) besaßen einen Farbbildschirm.

Das Geschäftsmodell: Man konnte das Gerät nicht einfach im Laden kaufen, sondern musste es – typisch für die damalige Bundespost – für eine monatliche Gebühr mieten.

Das Multitel war im Grunde der Versuch der Post, ein „Smart-Phone“ der 80er-Jahre zu erschaffen – ein Telefon mit Internet-Vorläufer für den Schreibtisch.

So sahen sie aus

Multitel 1
Multitel 2
Über eine nette Grußkarte freut sich jeder