Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen.
Ich glaube, daß die moralische Empfindlichkeit im Menschen zu unterschiedenen Zeiten verschieden ist, des Morgens stärker als des Abends.
Unsere moralische und politische Welt ist mit unterirdischen Gängen, Kellern und Kloaken miniert, wie eine große Stadt zu sein pflegt.
Was heißt, beim Licht besehen, den Menschen die Moral? Zwei scheuen das Vergehen und hundert den Skandal!
Der große Haufen bekümmert sich wenig um Moral: Der Glaube ist ihm bequemer.
Manche haben die Moral nur stückweise, wie einen Stoff, aus dem sie kein Kleid machen können.
Die Moral ist immer die letzte Zuflucht der Leute, welche die Schönheit nicht begreifen.
Und andere gibt es, die heißen Tugend das Faulwerden ihrer Laster, und wenn ihr Haß und ihre Eifersucht einmal die Glieder strecken, wird ihre Gerechtigkeit munter und reibt sich die verschlafenen Augen.
Strenge Moral vernichtet die Kraft des Geistes.
Jede Frau will in der Liebe zuerst das jeweilige Stadium der Annäherung ganz erfassen, bevor sie den nächsten Schritt tut. Nur was für ihr Gefühl reif ist, ist auch für sie moralisch.
Die Moralität des Weibes ist im Gefühl wie die des Mannes in der Vernunft begründet.
Die Moral, die gut genug war für unsere Väter, ist nicht gut genug für unsere Kinder.
Der Prüfstein trügt dich nie: Gut ist, was wohl dir tut, und das ist schlimm, o Herz, wobei dir schlimm zumut.
Was ist Moral? Die vernünftige Anweisung zum weisen Genuß der Gegenwart.
Läge im Herzen des Menschen nichts Moralisches, woher käme ihm die begeisterte Bewunderung heldenhafter Taten, die liebende Hinwendung zu den großen Seelen, der Enthusiasmus für die Tugend?