Im Praktischen ist doch kein Mensch tolerant! Denn wer auch versichert, daß er jedem seine Art und sein Wesen gerne lassen wolle, sucht doch immer diejenigen von der Tätigkeit auszuschließen, die nicht so denken wie er.
Toleranz ist ein Beweis des Mißtrauens gegen sein eigenes Ideal.
Toleranz ist nicht nur die Duldung der Meinung des anderen, sondern Bescheidenheit. Ich gestehe dem anderen die Möglichkeit der Wahrheit zu, weil ich mir die Möglichkeit des Irrtums eingestehe.
Schutz gegen die Tyrannei der Behörde ist nicht genug es braucht auch Schutz gegen die Tyrannei der vorherrschenden Meinungen und Gefühle. Es gibt eine Grenze, welche die Einmischung der Gesamtmeinung in die persönliche Unabhängigkeit berechtigterweise nicht überschreiten darf, und diese Grenzen zu finden, sie gegen Angriffe zu schützen, ist für den gesunden Zustand der menschlichen Angelegenheiten eben so unerläßlich wie der Schutz gegen politischen Despotismus.
Ich bin Gott darin ähnlich, daß er immer geschehen läßt, was er nicht will.
Leben und leben lassen.
Laß du nur die Leute ihre Wege gehen, so werden sie dich wohl auch deine Wege wandeln und deine Geschäfte treiben lassen!
Duldsame Menschen sind die ungeduldigsten und geduldige die unduldsamsten.
Die Toleranz muß in einem Staate jedem Freiheit geben, alles zu glauben, was er will, aber sich nicht soweit erstrecken, daß sie die Frechheit und Ausgelassenheit junger, unbesonnener Leute autorisiert.
Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn verleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten als den Andersdenkenden.
Es ist schon Intoleranz, von Toleranz zu sprechen.
Man muß den Menschen gestatten, große Fehler zu ihrem Schaden zu begehen, um ein größeres übel zu verhindern: Die Knechtschaft.
Kinderchen, ihr müßt lernen, mit Vergnügen irren zu sehen.
Willst du menschlich mit Menschen in Städten der Menschen verkehren, stelle die Uhr nach dem Turm, nicht nach der Sonne, mein Freund!
Die größte Nachsicht mit einem Menschen entspringt aus der Verzweiflung an ihm.
Die Toleranz, welche man oft an großen Männern bemerkt und preiset, ist wohl immer das Bild der größten Menschenverachtung: Denn erst wenn ein großer Geist von dieser ganz durchdrungen ist, hört er auf, die Menschen für seinesgleichen zu halten und diesem entsprechende Forderungen an sie zu machen.